Schwarzes Hamburg

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Autor Thema: Die Tragödie des Gemeinguts  (Gelesen 612 mal)

Eisbär

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Die Tragödie des Gemeinguts
« am: 03 März 2022, 12:21:15 »

Ich würde hier gerne mal ein Thema diskutieren, dass zu komplex für Facebook ist - und hier im Forum erfahre ich bei sowas immer neue Perspektiven, neue Ideen und anderes, die meine Sicht der Dinge erweitern.
Es geht dabei um ein Phänomen aus der Spieltheorie Wer mit dem Begriff "Tragödie des Gemeinguts" bzw. tragedy of the common aus dem Stegreif nichts anfangen kann, dem empfehle ich dieses ca. 15minütige und sehr unterhaltsame MaiLab-Video: https://youtu.be/IIpbgWyPsWQ

Was kennt Ihr für kleine Beispiele aus dem Alltag, die im Video noch nicht genannt sind. Was habt Ihr für diese als Lösungsansätze, welche "Spielregeln" müsste man in Euren Beispielen jeweils wie ändern? Und welche Spielregeln müsste man im Großen ändern, dass diese die wirklich großen Beispiele in unserer Gesellschaft besser laufen würden?


Ich fang mal mit einem kleinen Beispiel an:
viele Geschäfte (IKEA, Kaufland, Lidl, Aldi, diverse Baumärkte u. a.) haben Gratisladesäulen für Kunden auf ihren Kundenparkplätzen. Das soll die Kundenbindung fördern, der Kunde kann, während er einkauft, einige Kilowattstunden ins Auto laden, den Einzelhändler kosten die Kilowattstunden als Großkunden relativ wenig und der Kunde kommt gerne zum Einkauf wieder. Leider wird dieses Angebot immer öfter ausgenutzt. Stromschnorrer (meist mit wirklich großen, teuren E-Autos) stehen teilweise stundenlang an den Gratissäulen, warten derweil im Auto ohne einzukaufen und blockieren so die Säulen für echte Kunden. Das fällt natürlich auch den Einzelhändlern auf, die nach Lösungen suchen, dieses Schnorren zu unterbinden, z. B. indem spezielle Apps benötigt werden, indem die Säulen kostenpflichtig werden, bei manchen Filialen gar nicht mehr errichtet werden u. a. Bei einigen wenigen kann man vorm Einkauf beim Hinterlassen eines Pfands eine Ladekarte zum Freischalten erhalten und nach dem Einkauf mit Vorzeigen des Kassenbons und Abgabe der Ladekarte erhält man den Pfand zurück und die Säule wird abgeschaltet.
Alles in allem wird es aber für die Allgemeinheit schwieriger, weil einige wenige ihren kurzfristigen Vorteil herausziehen, auch wenn es für sie langfristig bedeutet, dass auch sie dort bald nicht mehr gratis oder gar nicht mehr laden können oder es unglaublich kompliziert wird.


Gesamtgesellschaftlich belohnt der Kapatilismus in unregulierter Form Egoismus und bestraft kooperatives Verhalten. Es wird fast überall auf kurzfristige Gewinne gesetzt, dafür werden natürlich so gut es geht Kosten reduziert. Das Problem: wenn ich die Arbeit von Deutschland nach China verlege, weil dort die Arbeitsplätze billiger sind, werden Menschen in Deutschland arbeitslos, können sich das Produkt nicht mehr leisten, dass sich die Chinesen von deren Lohn erst recht nicht leisten können. Langfristig schneidet man sich ins eigene Fleisch. Wenn ich ein Produkt möglichst billig produziere, aber dabei die Umwelt zerstöre, zerstöre ich die Lebensgrundlage von Menschen, die mein Produkt kaufen könnten.

Wie man im oben verlinkten Video erfährt, funktioniert die Motivation zu kooperativen Verhalten durch soziale Kontrolle besser als durch finanzielle Anreize. Wie bekommen wir so etwas gesellschaftlich besser hin? An welchen Stellschrauben kann die Gesellschaft da wie drehen? Finanziell ist es durch Subventionen und Strafen relativ simpel. z. B. Mehrwertsteuer für Ökostrom runter, für Kohlestrom rauf. Aber da soziale Kontrolle besser funktioniert, wie macht man das da? Bei Privatpersonen würde da bei vielen Verfahrensweisen der Datenschutz nicht mitspielen und wie ethisch ist es, da jemanden an den Pranger zu stellen?



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