Schwarzes Hamburg

  • 26 Januar 2022, 08:31:21
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Autor Thema: Mobilitätswandel - weg vom Sprit!  (Gelesen 13807 mal)

BaerndME

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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #180 am: 11 Januar 2022, 18:47:25 »

Ford ... F150

Du weckst gerade Begehrlichkeiten in mir.
Neuer Traumwagen?

Ford traue ich übrigens mehr zu als VW.
Und ich hoffe, der sehr kleine japanische Autohersteller namens Mazda kommt hinterher. Die waren ja oft partiell ein bisschen traditioneller drauf...
« Letzte Änderung: 11 Januar 2022, 18:55:20 von BaerndME »
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Jack_N

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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #181 am: 11 Januar 2022, 21:37:25 »

Mazda traue ich zu, dass sie mit irgendeiner cleveren Idee um die Ecke kommen. Als alle Downsizing betrieben und Turbomotoren gebaut haben um die Abgaswerte zu schaffen, hat Mazda die Skyactiv-Motoren mit größerem Hubraum gebaut - die genauso sparsam bzw. wenn sie kalt waren noch sparsamer waren. Mit 2 Litern Hubraum, verglichen mit den aufgeladenen 1.2ern, die VW dagegensetzte.
Kein Turbo heisst aber weniger Teile und weniger Steuergedöns, was kaputt gehen kann.

Zuletzt war bei Mazda ein Wankel als Range Extender für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug angedacht. RX9 scheint noch nicht vom Tisch, genauso könnte aber der nächste MX-5 elektrifiziert werden.

Ich bin gespannt :)
Und überlege derzeit ob es Wert ist meinen Lieblingsauto aus deutscher Produktion wegzugeben, um mir dafür einen japanischen Kleinstwagen zu importieren, der nichtmal halb so schnell fährt, und dank Einzelzulassung bis er hier auf der Straße ist sackteuer wird.
Aber ein Autozam AZ-1 ist einfach ein verdammt sexy Teil für jemanden der nicht so groß gewachsen ist, also... für mich :D
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RaoulDuke

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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #182 am: 12 Januar 2022, 10:57:53 »

Aus dem Öffi-Pöbel-Thread:

Tesla in Grünheide braucht dringend Leute, wird Zeit, dass mal ein paar Arbeitskräfte frei werden, die derzeit in angestaubten, nicht-zukunftsfähigen Firmen wie VW oder Opel fest hängen.

Ich halte alte, verstaubte "Legacy-Anbieter" wie VW, den Stellantis-Konzern und vergleichbar aufgestellte für die derzeit mit interessantesten Unternehmen überhaupt [...]

Wofür brauche ich dann eigentlich diese ganze Reiseinfrastruktur, wenn ich mir diesen teils brutalen on-the-road-Lifestyle auch einfach sparen kann? ... ich fahre jeden Tag, den ich im Büro vor Ort bin, mit der Bahn. Und sitze in fast leeren Waggons, die mich vor ein fast leeres Gebäude fahren. Vielleicht einmal in der Woche, wenn es hoch kommt. Ein Kraftfahrzeug verwende ich vielleicht auch an einem Tag der Woche, weil es nicht anders geht oder praktisch ist.

Vielleicht sind Autos bald zu einem großen Teil Freizeit- und Spaßvehikel, und die Bahn dünnt die Verbindungen aus, weil kaum noch einer irgendwo hin will. Was soll ich denn eigentlich auch noch im Büro?

Ich weiss, nicht jeder kann im home office arbeiten. Aber viele können es, und auch wenn es seine eigenen Herausforderungen hat, viele werden dabei bleiben.

Das sind ja jetzt mehrere Punkte.
1. Hatten wir das nicht neulich, dass VW zur Herstellung eines ID.3 ungefähr das 3-fache an Zeit braucht wie Tesla für ein Model 3, oder so ähnlich?
Also Raoul, ich weiß jetzt immer noch nicht genau, was du beruflich machst, aber ich glaube, das war was, was dich wirtschaftliche Themen wie dieses zumindest tangieren lässt, ne? Ich traue dir da schon eine Kompetenz zu, die höher sein mag als meine, die, eines Laien, aber ich verstehe nicht ganz, wie aus dem Punkt, dass ein Unternehmen etwas verpennt, fiese festgewachsene Strukturen und Hierarchien schafft, betrügt (!!), Vertrauen schädigt und eigentlich nur noch vom Ruf seiner vergangenen Tage zehrt, ein Mehrwert und eine Zukunftsfähigkeit entstehen soll? Oder meinst du eher, es ist "interessant", weil wie alle neugierig zusehen können, ob VW abschmiert, und das "Wenn da Bewegung rein kommt kommt" ist eher ein "Falls da Bewegung rein kommen sollte"?

Da hast Du auch gleich schon den Nagel auf den Kopf getroffen - da kann man natürlich sehr unterschiedliche Perspektiven einnehmen, und ich glaube, das ist hier auch geschehen. Denn ich finde wenig überraschenderweise, dass Du total recht hast mit Deinen Aussagen! ... aus der Perspektive eines prospektiven Kunden, eines Mitarbeiters, Zulieferers oder vieler anderer, ähnlich gelagerter Blickwinkel.

Ich möchte noch einen kleine Disclaimer einfügen, weil ich nicht glaube, dass nur weil Leute verschiedenes in beruflicher Hinsicht tun, sie deswegen immer Recht hätten. Bei mir ist das jedenfalls definitiv nicht der Fall, daher sind meine Argumente genausoviel oder -wenig wert wie die jedes anderen und müssen inhaltlich überzeugen. Und auf keinen Fall sollte man glauben, ich sei irgendein Anlageguru und würde Empfehlungen abgeben, und dann gar seine privaten Finanzen danach ausrichten!

Aber: Ich habe die Perspektive eines Aktionärs, Investors oder gar Spekulanten eingenommen. :D

Ich habe Ford-Aktien bei ca. USD 6 gekauft, und als sie bei fast 12 waren, habe ich sie wieder verkauft, weil ich meinen Erfolg kaum fassen konnte. In wenigen Wochen fast 100% Plus bei der Position - Woah, das passiert sehr langfristig orientierten Investoren wie mir eigentlich so gut wie nie. Schnell habe ich alles verkauft, und gestern stand Ford bei 18, wenn ich mich richtig erinnere. Der Gewinn liegt schließlich im... OMG, das wird ja zum Running Gag hier. ;) (ja, im Einkauf) Legacy-Hersteller sind oder waren vielmehr eben einfach billig, mit akzeptablen Dividendenrenditen, sofern sie denn überhaupt noch etwas ausschütten konnten nach all ihren Krisen. Sie müssen aber besser werden, sonst gibt es sie in 10 Jahren nicht mehr, oder nur noch als leere Hüllen, die Lizenzen für ihre ehemals glänzenden Marken vergeben, vermutlich an Tesla oder einen Riesen-Produzenten aus China. Aus bereits in der Vergangenheit dargelegten Gründen glaube ich aber, dass die das hinkriegen werden. Also: Aktien gekauft und abgewartet.

Wie gesagt, es gibt aber keine Garantien. Ich habe mit anderen Titeln im Umfeld der Elektromobilität bzw. Mobilitätswende auch teils brutale Verluste eingefahren. Das ist aber OK, solange alles insgesamt im Plus liegt. Ich bin halt kein Hellseher.

2. Was du beleuchtest ist nur ein Punkt von vielen. Ja, total geil, dass Meetings über Teams jetzt das Autobahnpinguindasein ablösen. Aber Mobilität ist auch noch aus vielen anderen Gründen ein Urbedürfnis des Menschen. Im Jahr 2020 waren wohl 10% der PKW gewerblich zugelassen, davon ein nicht unerheblicher Teil durch Händler und Werkstätten. Bleibt noch ein Rest von ungefähr 92% an nicht-Dienstwagen.
Dienstreisen sind eine Sache, geil, wenn die weniger werden, das ist im Prinzip gut für alle (bis auf die Hotelbranche), ich persönlich hatte seit 8 Jahren schon keine mehr (ok, zwischendurch eine Weiterbildung, das war's), bin aber viel unterwegs gewesen in der Zeit.
Pendeln alleine erklärt auch nicht die ganzen Autos, die wir Deutschen besitzen.
Ich denke, dass Teams und Remotedesktop alleine unser Mobilitätsproblem nicht annährend lösen können werden.

Ich glaube, Autos sind auch gar nicht unser Mobilitätsproblem. Sie sind einfach toll, bieten Freiheit, sind praktisch, können Hobbies sein oder gar Familienmitglieder. Das Problem besteht aus meiner Sicht eher darin, dass wir nicht die passenden Verkehrsmittel für die jeweilige Situation wählen, teils auch weil geeignetere gar nicht zur Verfügung stehen...

Mein Erleben im Hinblick auf die Onlinisierung ist vielleicht auch besonders intensiv, weil ich auch einen Teil meiner Identität aus dem Umstand gezogen habe, dass ich so viel unterwegs war. Wenn man das fast 15 Jahre macht, dann wird es zu einem Teil von einem selbst. Es klingt vielleicht esoterisch, aber wenn man dann von der Stadt auf's Land zieht und direkt danach schlägt die Pandemie zu und man kommt dort praktisch gar nicht mehr weg, dann ist die Auswirkung auf das eigene Empfinden schon enorm. Wenn die Welt sich ändert muss ich mich mit ändern, das habe ich schon verstanden, aber die Geschwindigkeit der Umstellung ist atemberaubend. Ich kenne auch Leute, die wirklich ihre Probleme damit haben. Aber wenn man es konsequent zu Ende denkt, ist die Umstellung auf Online nicht nur ein riesiger Gewinn an Lebensqualität, es ist auch ein gigantischer Effizienzgewinn, eine enorme Kostenreduktion und eröffnet Möglichkeiten, die vorher nicht vorhanden waren.

Also mal rein theoretisch: Wenn das so gut funktioniert mit diesem ganzen Online-Krempel, warum sollten Unternehmen eigentlich im Wesentlichen Leute beschäftigen, die aus der jewiligen Region kommen? Wenn man in manchen Bereichen so selten zur Arbeit wirklich physisch erscheinen muss, warum sollten sich dann so viele Menschen in ihrer Lebensplanung daran orientieren, dass das leicht möglich ist?

Ich kann mir ein Unternehmen vorstellen, das in Hamburg domiziliert ist, dessen Vertriebler permanent auf Ibiza lebt, dessen Programmierer / Analysten / andere Maschinenraumler in Frankfurt leben, in Niedersachsen auf dem Land, in New York und in einem kleinen Dorf im Norden Thailands. Ein Abteilungsleiter lebt vielleicht in Indien, der CEO in Seattle. Die einzigen Probleme, die man in der Zukunft vielleicht noch hat, sind Zeitzonen (könnten mit Planung und Kaffee angegangen werden ;) ) und Latenzen, die bei einem Zusammenarbeiten auf globaler Ebene in die physikalische Grenze der Lichtgeschwindigkeit laufen. Bandbreiten, Stabilität und Halbleiterknappheits-Fragen sind absehbar erledigt.

Ich wüsste - wenn ich so lese, was ich da eigentlich schreibe - eigentlich gar nicht: Warum sollte ein Unternehmen aus Hamburg eigentlich eine Stellenanzeige nicht auch in Johannesburg und Bangkok schalten?

... und in der Folge spannend: Was machen wir eigentlich mit den unglaublich riesigen Mengen an Büroflächen in den Innenstädten? Wenn die Nutzung deutlich zurückgeht, kann man die Gebäude ja nicht einfach zusammenfalten und in den Schrank räumen für später. Die stehen da erst einmal - aber moment mal, wird nicht in den Innenstädten gerade sehr intensiv nach Wohnraum gesucht? ;)

Man setze das beliebig fort, die Implikationen sind einfach gigantisch.
« Letzte Änderung: 12 Januar 2022, 11:38:37 von RaoulDuke »
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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #183 am: 12 Januar 2022, 11:58:22 »

Das Problem, warum viele Firmen auch ihre Mitarbeiter so gerne in den Büroflächen sähen, ist auch eben der gefühlte Investitionsverlust.
Habe selbst an Bausitzungen für Mietungen teilgenommen, ein Umbau einer Mietfläche für einen neuen Mieter kann u.U. ja auch siebenstellige Kosten verursachen.
Und das wird teilweise von den Vermietern übernommen - das Resultat sind dann aber Verträge mit einer Mindestmietdauer von 5, 7 oder sogar 10 Jahren.
Doof dann halt, wenn so ein Vertrag kurz vor der Pandemie für eine neue Mietung zu den zu dem Zeitpunkt üblichen überhöhten Mieten abgeschlossen wurde.

In Hamburg ist es seit einer Weile normal, dass die Gebäudekomplexe "saniert" (sprich: aufgehübscht) und dann vermietet werden, und dass die ganze Kiste inklusive Vermietung dann an eine Firma sonstwo verkauft wird. Die sich dann i.d.R. nen Scheissdreck um Wartung oder Pflege/Instandhaltung kümmert, weil sie z.B. in Dubai oder China sitzt. Der Briefkasten hängt dann in Berlin, Frankfurt oder München.

Selbst so jetzt mehrfach erlebt, in Hammerbrook gehören glaub ich über 80% der Gebäude mittlerweile ausländischen Investoren. Die Mietpreise sind - trotz großem Leerstand wohlgemerkt - in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, Tiefgaragenstellplätze für 100€/Monat sind dort quasi ein "Selbstkostenpreis" den die Firmen an ihre Mitarbeiter durchreichen. Kenne einige Firmen, die in den Gebäuden, in denen sie saßen, noch Flächen dazumieten wollten und für diese (leerstehenden!) Flächen den doppelten m²-Preis zahlen sollten wie für die, die sie bereits nutzten und nur 2-3 Jahre vorher angemietet hatten.

Alle Firmen, die das aber dennoch aufgrund ihres Wachstums akzeptiert haben schauen jetzt auf hübsche, frisch renovierte Flächen, die Kosten verursachen, aber leer stehen.
Das was sie an Strom, Getränken und Klopapier!!! einsparen steht halt in keinem Verhältnis zu den Mietkosten. In der letzten Firma in der ich arbeitete waren die laufenden Kosten in der Reihenfolge Gehälter, Miete, Serverinfrastruktur. Und das war eine Firma, die mit Bereitstellung von Onlinediensten für hunderte Millionen von Usern weltweit ihr Geld verdiente, selbst da waren Server- und Traffickosten niedriger als die Monatsmiete für das Firmengebäude.
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RaoulDuke

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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #184 am: 12 Januar 2022, 12:11:23 »

Und im Weiterdenk-Modus: Die von Dir genannten Investoren sind ja meist Fonds, die auf die Erzielung langfristiger Renditen aus Vermietung und Wertsteigerungen aus sind. Wenn ich mir überlege, dass Bürogebäude in 1A-Lagen teilweise zum über 30fachen der Jahresmiete verkauft werden, dann heisst das ja auch: Jeder Euro, den ich langfristig an Miete einbüße, kostet mich auch noch über 30 Euro Wertverlust. Und vermutlich geht dann auch noch der Vervielfältiger runter.

Einige Papiere, die als supersichere, konservative Anlagen vermarktet wurden, haben eine ganze Menge Sprengstoff eingeladen, und die Uhr tickt...

Denn was passiert, wenn das zu viele denken? Die Anleger geben Anteile zurück. Da die Refinanzierung durch Anteile aber kurzfristiger ist als die Anlagen in Immobilien, wird der Fonds die Anteile irgendwann nicht mehr auszahlen können, ohne die Immobilie zu verkaufen. Er muss schließen, wofür es zahlreiche historische Beispiele gibt. Anleger anderer Fonds, die eigentlich solider aufgestellt sind, geraten in Panik und wollen auch noch schnell ihre Anteile zurückgeben und bringen den nächsten Fonds in Bedrängnis. Es setzt ein Run auf Rückgabe ein, was dazu führt, dass viele Fonds zeitgleich gezwungen sind, ihre Immobilien zu verkaufen. Das stark steigende Angebot führt zu einem Rückgang der Bewertungen aufgrund sinkender Vervielfältiger. Anschließend weisen selbst sehr konservative Fonds Verluste aus, was den Run auf Anteilsrückgabe verstärkt... Und schon sind wir im Immobilien-Crash.

Das gab es schon einmal, und Anleger mancher Fonds erlitten schwerer Verluste. Das verursacht kein schönes Gefühl, manche verkaufen dann andere Anlagen, deren Preise daher zu sinken beginnen.... Und das Spiel beginnt in anderen Anlageklassen von vorn...

Oh, ich bin übrigens notorischer Schwarzseher. Vielleicht wird ja auch alles gut, und die Party dauert einfach ewig! ;)
« Letzte Änderung: 12 Januar 2022, 12:18:17 von RaoulDuke »
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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #185 am: 12 Januar 2022, 12:12:13 »

Aus dem Öffi-Pöbel-Thread:

Tesla in Grünheide braucht dringend Leute, wird Zeit, dass mal ein paar Arbeitskräfte frei werden, die derzeit in angestaubten, nicht-zukunftsfähigen Firmen wie VW oder Opel fest hängen.

Ich halte alte, verstaubte "Legacy-Anbieter" wie VW, den Stellantis-Konzern und vergleichbar aufgestellte für die derzeit mit interessantesten Unternehmen überhaupt [...]

Wofür brauche ich dann eigentlich diese ganze Reiseinfrastruktur, wenn ich mir diesen teils brutalen on-the-road-Lifestyle auch einfach sparen kann? ... ich fahre jeden Tag, den ich im Büro vor Ort bin, mit der Bahn. Und sitze in fast leeren Waggons, die mich vor ein fast leeres Gebäude fahren. Vielleicht einmal in der Woche, wenn es hoch kommt. Ein Kraftfahrzeug verwende ich vielleicht auch an einem Tag der Woche, weil es nicht anders geht oder praktisch ist.

Vielleicht sind Autos bald zu einem großen Teil Freizeit- und Spaßvehikel, und die Bahn dünnt die Verbindungen aus, weil kaum noch einer irgendwo hin will. Was soll ich denn eigentlich auch noch im Büro?

Ich weiss, nicht jeder kann im home office arbeiten. Aber viele können es, und auch wenn es seine eigenen Herausforderungen hat, viele werden dabei bleiben.

Das sind ja jetzt mehrere Punkte.
1. Hatten wir das nicht neulich, dass VW zur Herstellung eines ID.3 ungefähr das 3-fache an Zeit braucht wie Tesla für ein Model 3, oder so ähnlich?
Also Raoul, ich weiß jetzt immer noch nicht genau, was du beruflich machst, aber ich glaube, das war was, was dich wirtschaftliche Themen wie dieses zumindest tangieren lässt, ne? Ich traue dir da schon eine Kompetenz zu, die höher sein mag als meine, die, eines Laien, aber ich verstehe nicht ganz, wie aus dem Punkt, dass ein Unternehmen etwas verpennt, fiese festgewachsene Strukturen und Hierarchien schafft, betrügt (!!), Vertrauen schädigt und eigentlich nur noch vom Ruf seiner vergangenen Tage zehrt, ein Mehrwert und eine Zukunftsfähigkeit entstehen soll? Oder meinst du eher, es ist "interessant", weil wie alle neugierig zusehen können, ob VW abschmiert, und das "Wenn da Bewegung rein kommt kommt" ist eher ein "Falls da Bewegung rein kommen sollte"?

Da hast Du auch gleich schon den Nagel auf den Kopf getroffen - da kann man natürlich sehr unterschiedliche Perspektiven einnehmen, und ich glaube, das ist hier auch geschehen. Denn ich finde wenig überraschenderweise, dass Du total recht hast mit Deinen Aussagen! ... aus der Perspektive eines prospektiven Kunden, eines Mitarbeiters, Zulieferers oder vieler anderer, ähnlich gelagerter Blickwinkel.

Das waren tatsächlich Fragen, gar nicht unbedingt als Aussagen gedacht, sondern nur so formuliert, dass meine Perspektive aus Verständnisgründen mit dran steht, um zu unterstreichen, wieso ich es nicht so richtig verstehe.

Aber: Ich habe die Perspektive eines Aktionärs, Investors oder gar Spekulanten eingenommen. :D

Im Aktienmarkt kenne ich mich gar nicht gut genug aus.
Ich hab vor 1,5 Jahren, als sie gerade billig waren, Tesla Aktien gekauft, die sind heute 300% wert. Ich habe auch vor 2 Monaten CD Project Red Aktien gekauft, die haben mit ihrem Cyberpunk-Release ja eine Bauchlandung hin gelegt, ich denke aber, dass in dem Unternehmen und ihren Marken viel Potenzial steckt. Durch die Bauchlandung war die Aktie gerade billig.
Beide will ich lange liegen lassen, ich habe aber keinen Plan, ob das gut oder richtig ist. (keine Spekulation, sondern Anlage)
Von VW würde ich, aus meiner Perspektive, aber die Finger lassen. Dann tatsächlich noch eher Aktien der Deutschen Bahn.

2. Was du beleuchtest ist nur ein Punkt von vielen. Ja, total geil, dass Meetings über Teams jetzt das Autobahnpinguindasein ablösen. Aber Mobilität ist auch noch aus vielen anderen Gründen ein Urbedürfnis des Menschen. Im Jahr 2020 waren wohl 10% der PKW gewerblich zugelassen, davon ein nicht unerheblicher Teil durch Händler und Werkstätten. Bleibt noch ein Rest von ungefähr 92% an nicht-Dienstwagen.
Dienstreisen sind eine Sache, geil, wenn die weniger werden, das ist im Prinzip gut für alle (bis auf die Hotelbranche), ich persönlich hatte seit 8 Jahren schon keine mehr (ok, zwischendurch eine Weiterbildung, das war's), bin aber viel unterwegs gewesen in der Zeit.
Pendeln alleine erklärt auch nicht die ganzen Autos, die wir Deutschen besitzen.
Ich denke, dass Teams und Remotedesktop alleine unser Mobilitätsproblem nicht annährend lösen können werden.

Ich glaube, Autos sind auch gar nicht unser Mobilitätsproblem. Sie sind einfach toll, bieten Freiheit, sind praktisch, können Hobbies sein oder gar Familienmitglieder. Das Problem besteht aus meiner Sicht eher darin, dass wir nicht die passenden Verkehrsmittel für die jeweilige Situation wählen, teils auch weil geeignetere gar nicht zur Verfügung stehen...

Wenn du dieses Gefühl der Freiheit auch mit öffentlichen oder halböffentlichen Verkehrsmitteln zu 90% nachstellen könntest, wären die Autos eigentlich obsolet. Dann blieben nur noch so Spinner wie ich, die mit der Muttermilch aufgesogen haben, dass das Auto vor der Tür irgendwie essenziell zur Lebensqualität gehört.
Autos machen eine ganze Menge Probleme.

Es geht los beim Platzverbrauch im urbanen Raum. Hamburg, theoretischer Parkplatzbedarf, laut Mopo: "8,84 km2 – 5,5-mal so viel wie die 1,6 km2 große Außenalster." Natürlich ist der Platz verteilt, wie er verteilt ist, und niemand schubst einfach Häuser ein, um das zu ändern, dennoch: In vielen Straßen fehlt der Platz für ordentliche Fahrradwege, es gibt zu wenig Baugrund für sozialverträglich bezahlbare Wohnungen und trotz zweispuriger Straßen (überleg dir mal, was das in einer Stadt eigentlich für eine Platzverschwendung ist!) haben wir Staus, die auch mit viel Telematik und intelligenten Ampelsteuerungen nicht aufgelöst werden können.

Nächstes Problem sind die Herstellung, geplante oder ungeplante Obsoleszenz, Umwelt- und Kostenfaktoren und vieles mehr. Mal abgesehen von Rohstoffbeschaffung, Stahlverhüttung, Produktion, blakeks und deren Umweltaspekten könnte die Arbeitskraft, die in Autos gebunden ist, auch gesellschaftlich sinnvoller eingesetzt werden. Thema: Wenn weniger Arbeit zu tun ist, müssen alle weniger arbeiten, oder es könnte mehr Zeit und Aufwand in wirklich wichtige Berufe wie die Alten- und Krankenpflege gesteckt werden. Oder in die Forschung, Technolohgien, Raumfahrt, Energie u.s.w.. Das ist innerhalb des geschlossenen kapitalistischen Systems selbstverständlich kein realistischer Gedanke, aber... ABER!

Es gibt da noch mehr Dinge, die eine Rolle spielen, aber belassen wir es mal dabei: Autos sind schon ein Problem bzw. verursachen solche, weniger Autos würden weniger Probleme bedeuten. Das passt aber nicht zu unserer Politik und wirtschaftlichen Ausrichtung.

Zu deiner Vision mit dem großen Boom der Telearbeit: Das ist eigentlich kaum noch aufzuhalten, und das ist auch gut so! :)
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BaerndME

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« Antwort #186 am: 12 Januar 2022, 12:36:03 »

EDIT: Sorry 4 Doppelpost, was war jetzt u.A. ein Nebenläufigkeitsproblem.

Und im Weiterdenk-Modus: Die von Dir genannten Investoren sind ja meist Fonds, die auf die Erzielung langfristiger Renditen aus Vermietung und Wertsteigerungen aus sind. Wenn ich mir überlege, dass Bürogebäude in 1A-Lagen teilweise zum über 30fachen der Jahresmiete verkauft werden, dann heisst das ja auch: Jeder Euro, den ich langfristig an Miete einbüße, kostet mich auch noch über 30 Euro Wertverlust. Und vermutlich geht dann auch noch der Vervielfältiger runter.

Einige Papiere, die als supersichere, konservative Anlagen vermarktet wurden, haben eine ganze Menge Sprengstoff eingeladen, und die Uhr tickt...

Denn was passiert, wenn das zu viele denken? Die Anleger geben Anteile zurück. Da die Refinanzierung durch Anteile aber kurzfristiger ist als die Anlagen in Immobilien, wird der Fonds die Anteile irgendwann nicht mehr auszahlen können, ohne die Immobilie zu verkaufen. Er muss schließen, wofür es zahlreiche historische Beispiele gibt. Anleger anderer Fonds, die eigentlich solider aufgestellt sind, geraten in Panik und wollen auch noch schnell ihre Anteile zurückgeben und bringen den nächsten Fonds in Bedrängnis. Es setzt ein Run auf Rückgabe ein, was dazu führt, dass viele Fonds zeitgleich gezwungen sind, ihre Immobilien zu verkaufen. Das stark steigende Anbeit führt zu einem Rückgang der Bewertungen aufgrund sinkender Vervielfältiger. Anschließend weisen selbst sehr konservative Fonds Verluste aus, was den Run auf Anteilsrückgabe verstärkt... Und schon sind wir im Immobilien-Crash.

Das gab es schon einmal, und Anleger mancher Fonds erlitten schwerer Verluste. Das verursacht kein schönes Gefühl, manche verkaufen dann andere Anlagen, deren Preise daher zu sinken beginnen.... Und das Spiel beginnt in anderen Anlageklassen von vorn...

Oh, ich bin übrigens notorischer Schwarzseher. Vielleicht wird ja auch alles gut, und die Party dauert einfach ewig! ;)

Verstehe nicht, was das mit "Schwarzsehen" zu tun hat. Bis zum Satz "Und das Spiel beginnt in anderen Anlageklassen von vorn..." ist es ein goldgelbes Szenario, was du da malst!
Warum sehe ich das so?
Nehmen wir mal Elektronik, Chips und Computer: So lange wir auf der Welt noch Silizium und Co finden, kannst du theoretisch unbegrenzt davon produzieren und verkaufen. Investitionen und Miete sind größtenteils freiwillig und optional, und der Markt kann wachsen, wie er lustig ist. Also lass die Leute spekulieren.

Baugrund ist aber eine begrenzte Resource. Jeder Mensch muss irgendwo wohnen (und, könnte man sagen, auch irgendwo arbeiten), und mit der (teils künstlichen) Verknappung und Spekulation werden soziale Katastrophen verursacht. Es ist eben nicht so, dass das Geld, was hier investiert wird, dafür ausgegeben wird, um Bauunternehmen und Co. zu bezahlen, neueren und besseren Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, sondern dass unter'm Strich aus Geld Geld gemacht wird. Aus Anlegersicht. Das aber schlägt sich bis zu den Mietern durch und sorgt für die Menschen, die irgendwo wohnen müssen, für Armut, im Extremfall sogar für Obdachlosigkeit. Und du kannst hier nicht einfach neu schaffen, denn die bebaubare Fläche im urbanen Raum lässt sich nicht einfach erweitern. Es gibt so viele Quadratmeter, wie es gibt, und dann ist Schluss. Das bedeutet, dass alle dieses Spiel mitspielen müssen, ob sie wollen oder nicht: Mehr Miete zahlen, um bei den Anlegern ("im Ausland") Gewinne zu generieren.
Das ist krank.
Wenn man mich fragt: Das muss ein Ende haben. Gerne auch radikal.
Ein Crash des Marktes wäre ein willkommener Anfang, der vielleicht auch zu einem Neudenken führt.

Mazda traue ich zu, dass sie mit irgendeiner cleveren Idee um die Ecke kommen. Als alle Downsizing betrieben und Turbomotoren gebaut haben um die Abgaswerte zu schaffen, hat Mazda die Skyactiv-Motoren mit größerem Hubraum gebaut - die genauso sparsam bzw. wenn sie kalt waren noch sparsamer waren. Mit 2 Litern Hubraum, verglichen mit den aufgeladenen 1.2ern, die VW dagegensetzte.
Kein Turbo heisst aber weniger Teile und weniger Steuergedöns, was kaputt gehen kann.

Zuletzt war bei Mazda ein Wankel als Range Extender für ein elektrisch angetriebenes Fahrzeug angedacht. RX9 scheint noch nicht vom Tisch, genauso könnte aber der nächste MX-5 elektrifiziert werden.

Ich glaube, der Rangeextender ist erstmal vom Tisch, was ich schade finde, denn die Technologie wäre großartig. Ich glaube, dass Rangeextender große "Probleme" von E-Autos lösen könnten, da sie die Reichweitenangst beseitigen und ein E-Auto für Multi-Purpose-Verwendung-Bla fit machen, also: Fahre 98% des Jahres elektrisch mit Strom aus deiner Wallbox und nimm das selbe Auto auch für die Reise in den Sommerurlaub nach Italien, für das doppelte der Energiekosten, aber eine entspannte Reise. Also das, was wir Autobesitzer alle wollen, wäre damit möglich.

Skyactiv: Jo, das war auch dringend nötig, dass sie sich mit dem Motoren was einfallen lassen, BMW kann diese Sparsamkeit schon seit 20 Jahren. Aus dieser Perspektive fand ich es zwar gut und innovativ, aber nicht revolutionär.
Und dann kommen sie jetzt beim Mazda 3 mit einem Teilhybrid um die Ecke. Nachdem sie für den Axela in Japan schon das Hybrid Synergy Drive lizensiert hatten. Wo ich mir facepalms gebe, dass sie es nicht weiter verfolgen. Aber am Ende, das merke ich auch bei meinem alten Mazda 6, ist es eben so: Sie machen viel richtig und viel sehr clever, aber der Kern ihrer Fahrzeugkonzepte ist oftmals dann doch wieder sehr konservativ und die innovativen Vorstöße, die sie machen, revidieren sie recht schnell.

Das Zutrauen, dass da was cleveres kommen könnte, habe ich aber auch, denn das Potenzial und den prinzipiellen Willen hat man ja bei Mazda. Ich bin mir nur nicht sicher, dass sie es tun, und dann auch konsequent.
« Letzte Änderung: 12 Januar 2022, 12:38:42 von BaerndME »
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« Antwort #187 am: 12 Januar 2022, 13:20:10 »

Verstehe nicht, was das mit "Schwarzsehen" zu tun hat. Bis zum Satz "Und das Spiel beginnt in anderen Anlageklassen von vorn..." ist es ein goldgelbes Szenario, was du da malst!
Warum sehe ich das so?
Nehmen wir mal Elektronik, Chips und Computer: So lange wir auf der Welt noch Silizium und Co finden, kannst du theoretisch unbegrenzt davon produzieren und verkaufen. Investitionen und Miete sind größtenteils freiwillig und optional, und der Markt kann wachsen, wie er lustig ist. Also lass die Leute spekulieren.

Baugrund ist aber eine begrenzte Resource. Jeder Mensch muss irgendwo wohnen (und, könnte man sagen, auch irgendwo arbeiten), und mit der (teils künstlichen) Verknappung und Spekulation werden soziale Katastrophen verursacht. Es ist eben nicht so, dass das Geld, was hier investiert wird, dafür ausgegeben wird, um Bauunternehmen und Co. zu bezahlen, neueren und besseren Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen, sondern dass unter'm Strich aus Geld Geld gemacht wird. Aus Anlegersicht. Das aber schlägt sich bis zu den Mietern durch und sorgt für die Menschen, die irgendwo wohnen müssen, für Armut, im Extremfall sogar für Obdachlosigkeit. Und du kannst hier nicht einfach neu schaffen, denn die bebaubare Fläche im urbanen Raum lässt sich nicht einfach erweitern. Es gibt so viele Quadratmeter, wie es gibt, und dann ist Schluss. Das bedeutet, dass alle dieses Spiel mitspielen müssen, ob sie wollen oder nicht: Mehr Miete zahlen, um bei den Anlegern ("im Ausland") Gewinne zu generieren.
Das ist krank.
Wenn man mich fragt: Das muss ein Ende haben. Gerne auch radikal.
Ein Crash des Marktes wäre ein willkommener Anfang, der vielleicht auch zu einem Neudenken führt.

Es wird aus meiner Sicht kein neues Denken geben, und zwar nie. Die Ausgangslage ist konstant, seit es Menschen gibt, eigentlich schon sogar zuvor: Ressourcen sind endlich und knapp. Sie waren es immer und werden es immer bleiben. Angebot und Nachfrage sind nur bei knappen Ressourcen relevant, und Märkte mit ihrer darauf basierenden Preisfindung ein effizientes Allokationsverfahren für diese. Bei den Römern war es so, heute ist es so, in der Steinzeit und bevor die Menschen aus Afrika auswanderten. Die Knappheit der Ressourcen lässt sich nicht überlisten, sie ist vorgegeben. Auch wenn immer wieder irgendwelche Propheten, Philisophen oder Politiker ein schlaraffenlandartiges Utopia verkündeten, der grundlegende Umstand lässt sich ebensowenig überlisten wie die bereits angeführte Lichtgeschwindigkeit.

Crashs hatten zudem oftmals sehr schlimme Folgen weit ausserhalb der Finanzmärkte, weil sie im Wesentlichen dann erfolgen können, wenn es eine längere Zeit eine Ressourcen-Fehlallokation gab, die sich nicht mehr aufrecht erhalten lassen kann. Daher kann und konnte man auch nicht bei Crashs einfach am nächsten Tag weitermachen wie bisher, denn das bisher war ein unhaltbarer Zustand. Wenn ich mal ein paar Crashs mit ihren Folgen nennen darf, vergeht einem vielleicht der Appetit auf "drastisches" und "radikales": Der 1929er Crash führte nicht nur zu wirtschaftlicher Not und hoher Arbeitslosigkeit in den USA, sondern auch dazu, dass aus den USA in Europa investierte Mittel abgezogen wurden - eine entscheidende Voraussetzung für die Instabilität des Bankensystems in der späten Weimarer Republik, die zur Anfälligkeit gegenüber Bank Runs führte, die im Wesentlichen funktionierten wie die Krise bei den Fonds, die ich erwähnte. Das wiederum förderte den Zusammenbruch der verletzlichen Demokratie und bereitete "drastischen" und "radikalen" Problemlösern den Boden, wie auch einem berühmten Österreicher mit charakteristischem Schnurrbart. Folge des Börsencrashs waren letztlich also zunächst ein Vertrauensverlust und später ein Krieg.

Der Zusammenbruch der Sowjetunion war aus meiner Sicht auch eine Art Crash, und das ganz ohne Markt. Durch die ausufernden Verteidigungsausgaben im Wettrüsten mit den USA waren Investitionen in Infrastruktur und Produktivitätssteigerungen vernachlässigt worden, begünstigt durch die geringere Effizienz des zentralwirtschaftlichen Ressourcen-Allokationssystems gegenüber dem Marktsystem. Korruption und Misswirtschaft wurden durch zentralistische Strukturen ebenfalls begünstigt und verfestigten die Reformunfähigkeit. Es kam zu Schwierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung mit Ressourcen, einem Vertrauensverlust und letztlich zum Zusammenbruch. Anschließend verfestigten sich, so sagen manche, nach einer Phase des wirtschaftlichen Niedergangs totalitäre Strukturen.

Sogar die Tulpenmanie hat weite Teile der Bevölkerung der Niederlande in den 1630er Jahren in wirtschaftliche Not geführt.

Ein Crash ist in meiner Interpretation eigentlich nur die schnelle Korrektur einer Fehlentwicklung, und man kann nur hoffen, dass die nächste Korrektur sanft und besonnen funktioniert, denn es ist schon zu oft ungemütlich geworden, wenn das nicht der Fall war.

Ich glaube, der große Crashverhinderer, der uns in den letzten Jahren oder Jahrzehnten vor so etwas bewahrt hat, war die Zentralbank. Deren Potential, durch Zinssenkungen oder Ankaufprogramme den Markt finanziell zu unterstützen in schwierigen Zeiten ist allerdings weitgehend ausgeschöpft, dank Negativzinsen und enorm aufgeblähter Bilanz. Mal wieder Schwarzsehen: Der nächste Crash wird einer sein, den die Zentralbanken mit der Druckerpresse nicht haben verhindern können. Es könnte stark negative Auswirkungen für Kapitalanleger für lange Zeiten geben, zusammen mit erst starker Inflation, einem Nachfrageschock und einem Anstieg des sicheren Zinssatzes, dann einem plötzlichen Stillstand der Inflation und anschließend einem schnellen Umschwenken in Deflation, also eine Ära sinkender Preise. Der extrem hoch bewertete Immobilienmarkt bricht dann zügig zusammen, die Preise geraten in den Sinkflug und lösen einen plötzlichen Rückgang der Bautätigkeit aus. Kraftfahrzeuge und andere langlebige Investitionsgüter werden ebenfalls schnell weniger nachgefragt. Es bahnt sich eine Vertrauenskrise aufgrund der scheinbar überall aufflackertenden Probleme an, die Arbeitslosigkeit steigt schnell. Die Regierungen können sich nicht mehr mit Krediten aus der Affäre ziehen, weil die Zinsen zu hoch sind und die Zentralbanken kein Geld mehr in den Markt pumpen, weil Investoren wegen der plötzlichen Entwicklungen kein Vertrauen mehr in die Zukunft haben. Wie es dann weitergeht, kann ich mir nur schwer vorstellen. Aber zu glauben, dass es schön wird, das fällt mir eben auch schwer.

Keinen Crash also bitte. Lieber graduelle Zinserhöhungen der Zentralbanken, keine Ankaufprogramme mehr, keine Politiker, die auf Kredit das Blaue vom Himmel herunterversprechen und am besten keinen Krieg. Die Ausgangslage ist aber ziemlich mäßig, zugegeben.
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BaerndME

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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #188 am: 12 Januar 2022, 21:17:53 »

Das ist eine sehr interessante Antwort. Vielen Dank!

In meiner laienhaften Vorstellung ist es jedoch so, dass ein punktueller Crash in der Immobilienwirtschaft nur diese herunter reißt, plus... Natürlich alle, die zu stark finanziell damit verzahnt sind. Also sprich, wenn große Unternehmen im hohen Maße damit spekuliert haben, also das Geld, das sie erwirtschaftet haben und as übrig war, in Immobilien investiert haben, deren Geldwert schon über dem "realen" Gegenwert, also dem Gegenwert, den sie nach einem ausschließlich punktuellen Crash, hätten, wäre das weg und der Crash würde Löcher reißen.

Nunja... wenn ich an die Banken denke, ist der Gedanke leider gar nicht so abstrus.

Es gibt ein paar Prinzipien, die in der jüngeren Vergangenheit verletzt wurden.

Das eine Prinzip ist: Wenn jemand ein Unternehmen starten (oder modernisieren, ...) möchte, für das er eine große Menge Geld braucht, bedeutet das, dass das, was eine einzelne Person mit der Arbeit ihrer Hände erwirtschaftet hat, nicht reicht. Er hat nun die Option, andere Menschen nach Unterstützung zu fragen. Also gibt er mir die Möglichkeit, ihm einen Teil des von mir erwirtschafteten Wertes in Geld zur Verfügung zu stellen und mir damit einen kleinen Anteil an seinem Unternehmen zu überreichen, inklusive des Versprechens einer gewissen Steigerung des Wertes im Falle eines Erfolgs. Mit meinem Geld und das von tausenden anderen kann er dann hunderte Arbeiter bezahlen, die ihm eine Fabrikhalle bauen.
Vereinfachtes Prinzip von Aktien.
Das ist aber aus dem Ruder gelaufen, da heute Aktien im Prinzip nur noch in der Theorie die Anteile an einem Unternehmen mit einem realen Gegenwert sind.
Eigentlich sind sie eher eine Geldvermehrungsmaschine, wo es nicht darum geht, dass ein ganzes Volk einzelne potenziell tragende Säulen einer Volkswirtschaft unterstüzen kann und dafür etwas von Kuchen kriegt, sondern dass einige wenige Geld durch Geld vermehren.
Das ist sehr schlecht.
Und ungefähr so funktionieren dann auch Immobilienspekulation, Ölhandel und so weiter.

Zum anderen, und da muss ich dir, zumindest aus einer Perspektive, mit der effizienten Ressourcenallokation widersprechen: Wohnraum und Immobilien sind nicht dazu da, Geld zu erzeugen, sondern Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten und ein lebenswertes Leben zu ermöglichen, und zwar allen. Und hier versagt unsere Marktwirtschaft gerade kläglich, da sie die Ressourcen im Sinne ihres eigentlichen Zweckes komplett verkehrt verteilt.

Ich sehe nicht mehr, wie man ohne radikale Maßnahmen aus der Nummer noch raus kommen soll. Ich kann mir nur noch Dinge denken wie gesetzlich festzuschreiben, dass jeder Staatsbürger ab 18 Jahre eine Wohneinheit besitzen kann und der Rest der Immobilien in Genossenschaften über geht, die non-profit-like arbeiten, dafür aber gesellschaftlich aufgefangen werden können, der Besitz von Immobilien für nicht-Staatsbürger aber nicht möglich ist.
Oder ähnliche Dinge.
Oder halt einen Crash, obwohl du mich da fast überzeugt hast, dass das Risiko, dass selbiger zu viel anderes mitnimmt, sehr hoch ist.
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Jack_N

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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #189 am: 12 Januar 2022, 21:31:45 »

Naja, Duke hat nicht unrecht. Siehe Japan.

Die gesamte japanische Wirtschaft ist Ende der 90er gewaltig auf die Schnauze gefallen, noch vor dem IT-Crash der frühen 2000er weltweit.
Das lag u.A. am Immobilienwesen. Grob vereinfacht ging das so: Irgendwer lässt von einem befreundeten Makler eine Immobilie (über-)bewerten, und nimmt dann basierend auf dem Wert Kredite auf. Investiert diese wieder weiter, und kauft weitere Immobilien, die wieder überbewertet werden... mit dem Geld, was er zahlt kaufen auch andere wieder usw... usf... Immobilien werden als Sicherheiten für die Finanzabdeckung von Firmen genutzt, für Rücklagen, wasweissich.

Und irgendwann wird das erste Haus in der Kette verkauft. Weil der Typ gestorben ist und die Erben das nicht brauchen oder sonstwas. Und da kommt ein Gutachter und stellt fest: Oh, is ja gar nicht so viel wert. Und es wird für halb soviel bewertet wie das, was die Bank eigentlich als sicher erachtet hatte. Also würde ein Verkauf nichtmal Restschulden decken.
Das bedeutet: Insolvenz, Panik bei der Bank weil Außenstände. Damit wurde eine Lawine losgetreten... so ähnlich ist das in Japan dann passiert. Im Endeffekt haben sehr viele Leute sehr sehr viel Geld verloren. Große Konzern, die bis dahin in einer riesigen Finanzbubble gelebt und gearbeitet hatten, mussten über Nacht Projekte einstellen. Kannst auch bei den Autobauern verfolgen, wie diese Mitte der 90er auf einmal von ambitionierten Projekten (Le-Mans-Teilnahme, Miniatur-Sportwagen, Supersportwagenprogramme) zurück zu Familienkutschen ruderten, die Geld einbrachten.
Gerade Mazda.
Aus dem Immobiliencrash wurde ein Bankencrash. Und noch 10 Jahre vorher hiess es bei uns überall: Wir müssen uns die Japaner zum Vorbild nehmen, die Japaner sind uns voraus, deren Wirtschaft wird uns überrollen.

Ich glaube tatsächlich, dass dank der stärkeren Vernetzung heutzutage die Märkte noch volatiler sind. Und was gar nicht gut ankommt ist der Versuch von Konglomeraten, Fonds und anderen Großanlegern, nur ihre Investitionen zu schützen. Wenn der Mob sauer wird, dann können zehntausende Kleinanleger ganz schön disruptiv agieren. Siehe Gamestop. Schade, dass solche Aktionen nicht häufiger passieren, wäre schön wenn mehr von den großen Fonds platzen würden.
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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #190 am: 12 Januar 2022, 21:37:15 »

Ja, das ist ein gutes Beispiel, das meine ich mit Verzahnung und mit Banken.
Ich fürchte, dass es bei den Banken nicht mal mehr nur die Sicherheiten wären, sondern noch viel mehr. Sehr viel mehr.
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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #191 am: 13 Januar 2022, 00:09:31 »

...wenn ich könnte, würde ich das dadurch finanzieren, dass ich gegen Tesla wette.
Das war die letzten Jahre aber immer ein großes Minusgeschäft.
Wenn ich überlege, wie oft ich in den letzten 10 Jahren von Anlageexperten zu hören bekommen habe, Tesla wäre in wenigen Monaten pleite, wie oft es hieß, die Aktie würde bald crashen, weil das Geschäftsmodell nichts taugt etc., da frage ich mich, wie es angehen kann, dass Tesla mittlerweile das teuerste Unternehmen der Welt ist.
Ok, jetzt ist Tesla m. E. tatsächlich überbewertet, also eine riesige Blase. Aber: selbst wenn die Auto-Sparte durch die langsam aufholende Konkurrenz ausgemustert wird, stecken bei Tesla so viele Innovationen, soviele Patente und so viele Lösungen, dass andere dumm wären, sich da keine Lizenzen zu gönnen, was wiederum Geld für Tesla bedeutet.
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Antw:Mobilitätswandel - weg vom Sprit!
« Antwort #192 am: 13 Januar 2022, 00:53:44 »

Und um mal ins eigentliche Thema zu gehen:

jetzt in Februar läuft mein Leasingvertrag für meinen ZOE aus. War eine schöne Zeit und ein interessantes Experiment als Einstieg in die Elektromobilität.

Jetzt wird es ernst: nach unzähligen Informationen und mehreren Probefahrten schwankte ich stark zwischen zwei potentiellen Kandidaten  (ich hab bereits im letzten Sommer bestellt):
  • Tesla Model 3
  • Hyundai Ioniq 5
Für den Tesla sprachen die Tesla-eigene Ladeinfrastruktur, die herausragende Onboard-Langstreckenreise- und Ladeplanung, die Sportlichkeit, der Name Tesla (hat irgendwie schon mehr Sexappeal als Hyundai), die Begeisterung meiner Frau für den Autopiloten (sie fährt so ungern selbst) und die Reichweite.

Für den Ioniq 5 sprachen der Platz, der Komfort, die Gadgets (Innen- und Außensteckdose, Solardach, Relaxsitze, Totwinkelkameras an den Außenspiegeln, deren Bild beim Betätigen des Blinkers in den Armarturen eingeblendet wird, Head Up-Display), das absolute Hammerdesign, die enorme Ladeleistung (er lädt ca. 400km in 18min nach), die etwas höhere Anhängelast (1,6 Tonnen), die Tatsache, dass wir in die flache Flunder des Model 3 sowohl meine Mutter als auch meine Schwiegermutter nur mit dem Schuhlöffel rein und wieder raus bekommen (und wir selbst werden ja auch nicht jünger), Sitzkühlung (bei Ledersitzen Gold wert), außerdem ließ er sich in beinahe Topausstattung (hab zur Reichweitenoptimierung auf AWD und die 21"-Felgen verzichtet) um fast 10.000€ runterhandeln, während die Teslapreise fix sind.

Den Ioniq 5 haben wir bestellt.

Und mittlerweile frage ich mich, ob ich nicht ein Fahrzeug, dass wir damals als dritte Wahlmöglichkeit recht schnell ausgeschlossen haben, nicht die bessere Entscheidung gewesen wäre: der Škoda Enyaq.
Wahrscheinlich habe ich mich über den Enyaq nicht aureichend informiert, allerdings gab es da im Sommer auch noch nicht so viele Onlinetests, soviele Bewertungsvideos etc.
Für den Enyaq spricht: noch mehr Platz als der Ioniq 5, Innensteckdose, etwas höhere Reichweite, weniger Verbrauch, auch gutes Design. Dagegen: nur 1,2 Tonnen Anhängelast, nur 125kWh maximale Ladeleistung bei deutlich schlechterer Ladekurve als der Ioniq 5, Vmax bei 160 statt 185km/h abgeriegelt.


Einer der wichtigsten Gründe für den Ioniq 5 war für mich die enorme Ladeleistung und die damit einhergehende Langstreckentauglichkeit. Aber, seien wir ehrlich: ich fahre so selten Langstrecken, dass ich die wenigen Minuten Zeit, die ich mit dem Škoda länger laden müsste, locker verschmerzen kann. Das höhere Ladevolumen des Enyaq hingegen bei Festivalgepäck durchaus mehrmals im Jahr zum Tragen kommen könnte.


Beispiel: der für diesen Sommer geplante Urlaub: eine Radreise von Genua entlang des Mittelmeers bis Barcelona. Von dort mit der Fähre zurück nach Genua.
Ich dachte erst an eine Anreise via Bahn mit einem Löwenanteil der Strecke im Nachtzug der ÖBB. Fahrzeit: 21h. Umgekehrt nach Barcelona übrigens "nur" 19h (TGV sei Dank).

Laut "A Better Routeplanner" (kurz: ABRP), einer oder vielmehr DIE Seite/App für E-Auto-Streckenplanung benötige ich für die Anreise mit dem Ioniq 5 nur 12 Stunden 50Minuten. Etwa alle 3h 20min Laden und Fahrerwechsel.
Mit dem Enyaq wären es nur 1h und 6min länger.
Da wir nur 2x im Jahr so weit fahren, macht das eigentlich nichts aus.



Egal: ich glaube, der Ioniq 5 wird mehr Spaß machen als der Enyaq.

« Letzte Änderung: 13 Januar 2022, 00:56:16 von Eisbär »
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